Chorprojekt "Wiedingharder Sommerchor"
aus dem NORDFRIESLAND TAGEBLATT
35 Sänger zogen über die Dörfer
"Ich halte es für sehr wichtig und es macht auch unheimlich viel
Spaß, mit einem anspruchsvollen Programm, in das neben Laiensängern
auch professionelle Instrumentalisten eingebunden sind, über die Dörfer
zu ziehen."
Unter dem Motto "Singen tut gut" führte der Lecker
Kirchenmusiker Rainer Rafalsky ein Chorprojekt durch. Ziel war es, nach
zehn Übungsabenden und einem Intensiv-Probenwochende mit drei Konzerten
zum Thema "Nähme ich Flügel der Morgenröte" abzuschließen.
"Der gute
Besuch bei allen drei Abschlussveranstaltungen in den Kirchen zu
Klixbüll, Tondern und Aventoft zeigte auf, dass wir damit
offensichtlich auf dem richtigen Wege sind", ergänzte Rafalsky.
Die Begleitung der nicht a cappella
vorgetragenen Kompositionen bestritten die Violonisten Birte von
Kopylow und Hans Jensen vom Sønderjyllands Symfoniorkester, Ingrid
Sievers im Wechsel mit Rainer Rafalsky (Continuo) sowie Meike
Mever-Wagner (Blockflöte) und Ernst Wagner (Gitarre). Als Sängerinnen
und Sänger übernahmen Margrit Riese (Sopran), Hanne Tatchell/Ingrid
Sievers/Meike Meves-Wagner (Alt) und Ernst Wagner (Bass) in gekonnter
Manier solistische Aufgaben.
Zum Konzert in der Tonderner Christkirche
fanden sich - trotz drückender Sommerhitze - mehr als 70 Zuhörer ein.
Sie und alle Mitwirkenden wurden von Pastorin Meike Meves-Wagner
willkommen geheißen, deren Wortbeiträge und zelebrierte Liturgie die
Veranstaltung zu einem konzertanten Gottesdienst werden ließen.
Nach zwei Werken aus der Barockzeit - dem Kanon "Jubilate Deo" von Adam
Gumpelzhaimer und der Motette "Cantate Dominum" von Hans-Leo Hassler -
wurde das Publikum durch den von Tilde Madsen auf der Orgel begleiteten
Choral "Du, meine Seele, singe" in das musikalische Geschehen aktiv
einbezogen. Bei dem barocken Trio "Schaff in mir Gott, ein reines Herz"
von Johann Philipp Krieger unterstützte die hervorragende Raumakustik
des Gotteshauses die von den Vokalisten sorgfältig herausgearbeiteten
dynamischen Abstufungen. Abgesehen von den wenigen ohne instrumentale
Unterstützung vorgetragenen Sätzen, bei denen die Stimmen einen
unüberhörbaren Hang zum "Absacken" erkennen ließen, intonierte der mit
erfreulich deutlicher Aussprache agierende Chor untadelig sauber.
Zu
den Glanzstücken des Programms zählten der 1923 von Jacques Berthier
komponierte, mit effektvollen Oberstimmen versehene Chorsatz "Laudate
Dominum" und die viel Zuversicht ausstrahlende Kirchensonate Nr. 11 in
D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Bei letzterer, dem einzigen rein
instrumental dargebotenen Werk, kamen die zum Klang des Orgelpositivs
musizierenden Streicher besonders gut zur Geltung.
"Nähme ich Flügel der Morgenröte" von Rainer Rafalsky erklang völlig
entspannt, "Das ist in köstlich Ding" von Rolf Schweizer leicht
swingend und die von Blockflöte, Gitarre und Continuo unterstützte
Motette "Das ist ein köstlich Ding" sehr temperamentvoll. Letzterer
schickte Ernst Wagner zur Gaudi des Publikums einen fetzigen
Gitarrenakkord nach. Mit einem jubelnden "Halleluja" aus der Feder des
Georg-Friedrich Telemann kehrte das Programm zur Barockzeit zurück. Es
wurde am Ende von den begeisterten Zuhörern lautstark
beklatscht.
Von Ulrich Jeß